Ist Familienstellen bedenklich?

Das Familienstellen ist bedenklich: Es kann dein Leben auf den Kopf stellen, ohne dass du es zunächst bemerkst. Später wirst du die Folgen zu tragen haben… 😉

Es beginnt ganz harmlos: Du hörst oder liest etwas über das Familienstellen, und in dir beginnt so etwas wie eine Hoffnung aufzukeimen, dass eine Veränderung deiner Lebensschwierigkeiten vielleicht doch möglich ist. 

Dann besuchst du vielleicht ein Aufstellungsseminar, lernst das Stellvertreten kennen, wirst berührt von den Lösungen, die auf wunderbare Weise in den Aufstellungen aufscheinen. Du erlebst verschiedene Rollen und merkst, was die jeweilige Rolle mit dir selbst zu tun hat.

Irgendwann machst du dann vielleicht deine erste eigene Aufstellung. Meistens überrascht sie mit einer neuen Sichtweise, einer unerwarteten Perspektive auf dein Leben und deine Schwierigkeiten. Vielleicht geht es um etwas, was dich schon lange gewurmt hat, und plötzlich scheint eine Lösung möglich.

Vielleicht entdeckst du hier das Familienstellen als ein wirksames Mittel für dich, verschiedene Aspekte deines Lebens neu zu betrachten und zu ordnen. Dein Leben wird einfacher, es fällt dir leichter, mit Schwierigkeiten umzugehen. 

Das wäre ja alles noch zu ertragen, ist es doch – trotz aller zwischendurch auftretenden heftigen Gefühle – am Ende angenehm und freudig-leicht. 

Aber: Eines Tages bemerkst du plötzlich, dass sich deine Sicht aufs Leben dramatisch verändert hat. Wenn du irgendwann auf deinen ärgsten Feind schaust, dann siehst du plötzlich auch das Kind in ihm, das er einmal war. Du siehst ihn eingebunden in seine Familie mit ihrer Geschichte, mit deren Verstrickungen, die ihn mit geprägt haben. Du siehst plötzlich auch die Liebe, die in ihm wirkt und die zu einer Lösung kommen möchte. 

Du wirst bei allen Menschen, die dir begegnen, die vielen hinter ihnen sehen, die zu ihm oder ihr gehören. Die Familie, die Ausgeschlossenen, die früh Verstorbenen, alle, die gesehen werden wollen und müssen. 

So wie du dich selbst in einem neuen Licht sehen lernst, wie du liebevoller im Umgang mit dir selber wirst, so lernst du auch, dass jeder Mensch im Grunde gut ist. Dass du, wenn du in seinen Schuhen stecken würdest, mit seinem (Familien-)Hintergrund, dich vielleicht nicht anders verhalten würdest.

Du merkst schon, dass ich zu Beginn mit einem Augenzwinkern gesprochen habe. Wer wird die positiven Effekte der Aufstellungsarbeit schon ablehnen wollen? 

Du lernst ausserdem, dich zu schützen, dich abzugrenzen gegen übergriffiges Verhalten von anderen. Mit der Zeit fällt das ab, was kindlich-verstrickt an dir war. Doch das Unbefangene eines Kindes bleibt dir erhalten, seine Spontaneität, Kreativität und Neugierde. Es wird jetzt geführt von dem gereiften Erwachsenen, der sein Leben überblickt und es im Zusammenhang mit dem größeren Ganzen sehen kann. 

Und wenn es dir vergönnt oder bestimmt ist, dann kannst du aus dieser Reife heraus auch das erkennen, was nur manche überhaupt interessiert. Wenn dein Leben in Ordnung gebracht ist, stellt sich meistens als Konsequenz die Frage: Wer oder was bin ich überhaupt? Lass dich überraschen…

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