Familienstellen via Zoom

Wenn die Toten dabei sein dürfen…

Wenn die Toten dabei sein dürfen, geht es den Lebenden besser.

Die Toten sind oft vergessen. Ihr Schicksal nicht gewürdigt. Viele haben es schwer gehabt, oder sind schuldig geworden, ihr Schmerz, ihre Scham, ihr Elend sehnt sich nach Anerkennung. Sie möchen gesehen werden, integriert werden. Solange sie nicht dabei sein dürfen, solange sie unerkannt, ja wie ausgeklammert sind, wirkt ihr Schicksal im Späteren weiter. Die Früheren werden durch Spätere vertreten; ihr früheres Schicksal soll später Anerkennung finden, dazu genommen, über die Würdigung ausgeglichen werden. Erst dann kann das Frühere zur Ruhe kommen.

Wie Zombies

Wir leben unser Leben oft wie Zombies, sind unbewussten Bindungen unterworfen, Schicksalsbindungen an unser Familiensystem. Wir versuchen, nach vorne zu leben, doch irgendetwas hindert uns, lässt uns scheitern, zögern, wanken. 

Woran liegt das? Unsere Ahnen gehören zu uns, sie sind unsere unterstützenden Kräfte. Fehlen welche von ihnen, werden sie von uns selbst oder unseren Nächsten, Geschwistern oder Kindern, vertreten. Wir können nichts dagegen tun; wir werden in den Dienst genommen. Wir bräuchten ihre Kraft, und doch versuchen wir, so schwach wie wir sind, sie zu ersetzen, etwas für sie auszugleichen, ihr Schicksal zum Guten zu wenden. All dies geschieht unbewusst. 

Aufstellungen bringen diese Dynamiken ins Bewusstsein, lassen die Schwere der Schicksale deutlich, die Bedeutung der Schicksale für das Familiensystem begreiflich werden. Sie befreien uns von den vergeblichen Versuchen, etwas zu richten, was lange vorbei ist, und was endlich wirklich vorbei sein möchte. 

Die Liebe kann wieder fliessen, die oft wie im Schockzustand eingefroren war. 

Was sind diese Ereignisse, die ein System in Schock versetzen? Manchmal sind es sehr schmerzhafte, aprupte Todesfälle, zum Beispiel der Tod einer Frau bei der Geburt ihres Kindes. Der Frau geht es nicht gut, weil sie eigentlich nicht gehen wollte; das Kind grämt sich mit Schuldgefühlen, fühlt sich verantwortlich für den Tod der Mutter; der Vater fühlt sich ebenfalls verantwortlich, weil er die Frau geschwängert hat – unbewusst denkt er, dass er dadurch schuld an ihrem Tod ist. In einer Aufstellung werden die festgefahrenen Gefühle gelöst und können zugelassen – und dadurch verbraucht – werden.

Verdrängte Gefühle

Manchmal sind es aber auch abgespaltene Schuldgefühle einer Person, zum Beispiel ein Täter, der im Krieg den Tod vieler Menschen verursacht oder auf besonders grausame Weise getötet hat. Ein solcher Täter ist oft auf der bewussten Ebene kalt und abgestumpft, sein Unbewusstes sehnt sich aber nach einer Lösung dieser Kälte und Gefühllosigkeit. In einer Aufstellung kommt der Schmerz und die Scham an die Oberfläche, drückt sich aus und wird dadurch integriert. Die Nachkommen, die einen solchen Täter vertreten haben, werden frei, das ganze System atmet auf. 

Kinder versuchen, verstorbene Geschwister bei den Eltern zu ersetzen. Sie verzichten auf ihr eigenes Leben, was sich in Beziehungs- oder beruflichen Schwierigkeiten äussern kann. Die Eltern haben oft den Schmerz des Verlustes vermieden und ihre Gefühle abgespalten. In einer Aufstellung kann diese Dynamik klar werden. Die toten Kinder werden gewürdigt und finden dadurch ihren Platz. Der Schmerz der enttäuschten Liebe beim Tod des Kindes bekommt ebenfalls seinen Platz und kann dadurch, statt unbewusst hindernd zu wirken, offenbar und heilsam werden.

Der Antrieb

Dies sind nur einige Beispiele für die gute Wirkung von Aufstellungen. Es ist immer wieder berührend, die Lösungen mitzuerleben. Und es bestätigt immer wieder, dass die grundlegende Antriebskraft dieses Universums Liebe ist. Oft verbogen oder verborgen, verschüttet unter Wut und Hass, überschattet von Trauer und Schmerz. Doch ist die Motivation, aus der heraus Menschen bei ihren Handlungen angetrieben werden, immer diese Liebe. 

Mit Aufstellungen verlassen wir die Oberfläche, die oft unverständlich bleibt in ihren Verrücktheiten, und kommen zum Eigentlichen, zu dem, um was es wirklich geht. Und dort kommen wir zur Ruhe, dort ist alles in Ordnung. 

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